Pfarre & Gemeinde Taufkirchen/Tr.


Die Gemeinde[1] ist politisch Teil des Bezirkes Grieskirchen. 

Das Gemeindegebiet (Fläche: 24,58 km2) gliedert sich 6 Katastralgemeinden. Fast 78% der Gemeindefläche ist landwirtschaftlich genutzt (zum Vergleich: Land Oberösterreich: 37%), weiter 14% sind Wald (49%).

Taufkirchen vom Nordosten (Juli 2002)Durch Taufkirchen haben Römerstraßen geführt. Die Besiedlung durch die Bajuwaren dürfte hier relativ früh eingesetzt haben, denn man siedelte in erster Linie entlang von Straßenzügen und Flussläufen. Im Gemeindegebiet und in näherer Umgebung gibt es mehrere Ortsbezeichnungen mit dem Suffix "-ing", wie beispielsweise Helmling, Odlboding, Olzing, Ragering u.a. In der Festschrift "1200 Jahre Taufkirchen/Trattnach"[2], vertritt man die Meinung, dass bereits der Bote Ufernoricums, der hl. Severin, 5. Jh., seinen Fuß auf Taufkirchner Boden gesetzt haben soll. Ob dem so ist sind sich Experten jedoch uneins. Man darf auch nicht vergessen, dass in der "Vita Sancti Severini" des Eugippius neben historischen Tatsachen auch viele zeitbedingte Ausschmückungen zu finden sind. Ähnlich verhält es sich mit der Anwesenheit des hl. Rupert, wenngleich seine Glaubensboten in einigen Gemeinden des Verwaltungsbezirkes Grieskirchen Spuren hinterlassen haben dürften.

Taufkirchen an der Trattnach, Ende März 20021200 Jahre Taufkirchen: Im Jubiläumsjahr 1985 hat Taufkirchen/Tr. auch des Priesters Snelrich gedacht, der im Jahre 785 sein persönliches Erbe der Kirche zum hl. Stephan bei Passau übergeben hat[3]. Im ältesten Passauer Codex wird von der "ecclesia in loco Dratihaha" gesprochen, die mit Sicherheit eine Eigenkirche Snelrichs gewesen sein wird. Vermutlich hat es sich um ein Holzkirchlein gehandelt. Die "ecclesia in loco Dratihaha" ist auch im U.B. (Urkundenbuch des Landes ob der Enns) 1/444 überliefert.

Schloss Roit: In den Jahren 1088, 1120 und 1140 ist Ruthe, Riute, Roite erwähnt (U.B. 1/553 und 133 sowie U.B.11/190). Um 1110 n. Chr. übergab der edle Adalram de ascaha ein Gut in uurgildorf (= Widldorf), Pfarre Taufkirchen, an das Kloster St. Nikola bei Passau. Um 1188 n. Chr. macht es Engelbert von Struben mit einem seiner Güter ebenso (U.B. I/532 und 587). Diese beiden Güter sollen das Ganglbauerngut und das Gatterbauerngut in Widldorf gewesen sein, die ja zur Grundherrschaft Kloster St. Nikola untertänig waren.

Ein ehemaliger Sitz war Hehenberg, Ortschaft Hehenberg, Katastralgemeinde Korntnerberg, der jedoch urkundlich nicht aufscheint. Sein Erdwerk soll in der Nähe des Burgstall-Gasthauses liegen[4].

Der bedeutendste Edelsitz im Gemeindegebiet war ROIT, das heutige Roith. Er lag in der Ortschaft und Katastralgemeinde Roith.

Vom ehemaligen Wasserschloss blieben die Erdsubstruktionen, der 1820 entwässerte Teich und die Nebengebäude übrig. Im Jahre 1110 scheint der Sitz als "... ad Husrugkum loco qui dicitur Rute" auf. Anfangs war Roit ein Besitz der Otokare von Steier, später der Herren von Schaunberg (letztere bereits in einer Urkunde vom Jahre 1120 n. Chr.). Im Jahre 1380 wird Roit als Vest erwähnt, die der Landesfürst dem Jörg den Anhanger verliehen hat: "Jörg Anhanger hat zu Lehen die Vest ze Rewt" [5]. Die Anhanger saßen auf Roit bis 1446. Strnadt ist der Meinung, dass die Anhanger mit den Vatersheimern ident sind. Dass der Sitz Roit im Jahre 1380 ein Lehen des Jörg Anhanger war, geht auch aus dem Lehenbuch des Herzogs Albrecht III. von Oesterreich hervor (so Franz Sekker[6]). Ulrich der Anhanger übergab Roit und Pernau an Wolfgang und Hans Anhanger. Im Jahre 1474 ging der Besitz Roit im Erbwege an die Jörger über, da die Benigna Anhanger im Jahre 1461 einen Jörger zum Ehemann genommen hatte. Später folgten Joachim von Sinzendorf, vor 1626 Bartholomäus von Dietrichstein und 1650 David Ungnad von Weissenwolff. Dessen Tochter Maria ehelichte den Fürsten Wilhelm von Trautson, 1722. Sie bekam das Schloß Roit als Mitgift in die Ehe mit. Deren Tochter Maria Josepha vermählte sich mit dem Fürsten Carl Josef von Auersperg, der um 1750 in den Besitz von Roit gelangte. Im Familienbesitz derer von Auersperg ist die H. Roit von 1750 - 1880. Die letzten Besitzer waren die Landgrafen von Fürstenberg (ab etwa 1890), die dann das Schloß abbrechen ließen. Die Reste fielen 1913. Seit dem 18. Jh. wurde Roit von Ennsegg aus verwaltet. Die Taverne (= Bräu in Roit) und das Pflegerhaus sind noch erhalten. Im Jahre 1932 kamen die Grafen Walderdorff nach Roith, ab dem Jahre 1960 ist Graf Klement von Walderdorff im Besitz.

Roit war ein Pfleggericht. In der Zeit von 1477 - 1848 gab es in Roit 12 Pfleger. Bis 1484 übte diese Funktion Christoph Jörger aus. Er stellte am 27. Mai 1477 dem Kaiser einen Pflegerrevers aus. Unter Kaiser Friedrich III. soll der Jörger Roit auf drei Jahre zum Pfand bekommen haben. Ab 1484 ist er Pfleger in Kammer am Attersee. Unter David Ungnad von Weissenwolff kam auch das Landgericht Parz nach Roit. Von 1830 - 1848 war Roit Distriktskommissariat.

Schloß RoitDas Wasserschloß Roit hatte sogar Bastionen und vorderseitig einen starken Befestigungsturm. Der Trakt an der Westseite hatte vier Türmchen. Die Wirtschaftsgebäude standen auf zwei gesonderten Inseln, sie waren über Brücken von der Herrenhausinsel her erreichbar. Die Förster wohnten im Gadermairhaus, der Diener im Dienerhaus (Nr. 5), in dem auch die Arreste untergebracht waren. In der erwähnten Festschrift wird darauf hingewiesen, dass noch an der Wende 18./19. Jh. die Ketten und Leibriemen vorhanden waren, mit denen man die Arrestanten festhielt. Die Holztüren der Arrestzellen hatten vergitterte Gucklöcher.

Edelsitz Vatersam: Ein weiterer Edelsitz war VATERSHEIM, dessen Erdwerk in der 0rtschaft Vatersheim, Kastralgemeinde Keneding, liegt. Grabherr nennt hier folgende Belege[7]

1203       Erchenger de Vattersheim 
8.8.1455 "Hanns Vattershaimer hat zu Lehen ganczen Zehent aufm Vatterhaimerguet, Hanns Vattershaimer zu Vattershaim"

Die Vatersheimer waren ab 1210 Dienstleute der Tegernbacher und dann der Starhemberger. Später standen sie in Diensten der Schaunberger und saßen zuletzt auf Schloss Prugg an der Ascha. Der letzte dieses Geschlechtes war Hanns Vatersheimer, gestorben 1493. Nach Strnadt[8] waren sie ein Ministerialengeschlecht niederen Ranges. Erchenger de Uahtersheim war ein Dienstmann des Ortolph von Tegernbach und trat 1203 zeugenschaftlich auf. Hanns Vatersheimers Tochter Barbara ehelichte den Ritter Wolfgang Herleinsperger zu Tannberg.

Taufkirchen mit Roit im Hintergrund (1994)Im Jahre 1620 brannten Soldaten des bayrischen Obersten Haslang den Pfarrhof und das Schloss Roit nieder.

Schule: Bereits im Urbar Taufkirchen von 1516 - 1530 ist in Taufkirchen von einem Schulmeister die Rede. Im Jahre 1639 war es ein gewisser Mathias Beer. 1655 legte der Schulmeister Balthasar Kühnmüller sein Amt in Grieskirchen nieder und zog nach Taufkirchen. Das ursprüngliche Schulhaus war das Mesnerhaus, ein holzgezimmertes Gebäude, zu dessen Fundament man Steine von der gesperrten und dann abgetragenen Filialkirche zum hl. Josef in Aichet verwendet haben soll. Das erste gemauerte Schulgebäude, das man nach dem Brande von 1790 errichten ließ, war einstöckig und bekam im Jahre 1880 einen zweistöckigen Zubau. In der Folgezeit bekam die Volksschule vier Klassen. 1965 begann man mit einem Neubau, der am 13. Juli 1969 eingeweiht worden ist. Das alte Schulgebäude brach man 1974 ab.

Im Jahre 1828 wurde in Taufkirchen ein uniformiertes Bürgerkorps gegründet, das im Jahre 1851 aufgelöst und später wieder ins Leben gerufen worden ist. Die Mitglieder stellten auch ein Musikkorps zusammen. Eine Aufschrift auf der Trommel weist die Jahreszahl 1882 auf. Erst im Jahre 1902 bekam dieses Bürgerkorps eine eigene Fahne, die in Schwarz/Gelb gehalten war und auf der Vorderseite die Gestalt des hl. Martin und auf der Rückseite den Reichsadler zeigte. Als Fahnenmutter fungierte eine Gräfin Revertera, geborene Dona Olimpia Aldobrandini, die Tochter des Fürsten Sarsina. Am 13. März 1938 wurde das Bürgerkorps von der NSDAP aufgelöst.

Taufkirchen, Flugaufnahme 1942

Taufkirchen, Flugaufnahme Anfang der siebziger Jahre

Die Pfarre Taufkirchen/Tr. ist mit Sicherheit eine Christianisierungspfarre. Sie dürfte sich im 9. Jh. von der Mutterpfarre Eferding gelöst haben.

Der Pfarrort Taufkirchen scheint erst 1260 urkundlich auf ("Taufkirchen iuxta dretnach").

Um 1200 spaltete sich von Taufkirchen der Seelsorgebereich Hofkirchen (Tr.) ab. Für das hohe Alter der Pfarrkirche Taufkirchen sprechen die Eigenschaft als Taufkirche und das Patrozinium des hl. Martin (11. 11.). Diese Taufkirche wird erstmals 830 erwähnt, dürfte aber älter sein. Die Pfarre Taufkirchen ist eine der ältesten und größten des Landes ob der Enns gewesen. Als Filialen hatte die Pfarrkirche in Taufkirchen:

- Hofkirchen (mit Aistersheim, St. Georgen und Weibern),
- Neumarkt,
- Petting (das heutige Pötting),
- Wendling.

Die Pfarre Taufkirchen war immer eine Dotationspfarre des passauischen Domkapitels. Da der Westteil der Pfarre schon im 13. Jh. von einem Vikar betreut wurde, sprach man schon zu dieser Zeit von der "Kallhamer Pfarre" (Kallham + Neumarkt + einem Teil von Riedau). Die Altpfarre Taufkirchen hatte drei Begräbnisstätten 

- Taufkirchen, 
- Kallham, 
- Wendling. 

Pfarrkirche Taufkirchen (1994)Lehensrechtlich unterstand die Pfarrkirche in Taufkirchen dem Fürstbischof von Passau, die Vogtei übte der Graf von Schaunberg aus. Dies geht aus dem Visitationsbericht von 1544 hervor. Untertanen der Grundherrschaft Pfarrkirche Taufkirchen waren die Widem zu Kehnaten, Peting, Wendling, Holzleiten, das Greifengütl zu Vatersheim und mehrere Häusler. Zinsbar war neben anderen Gütern auch das Mairgut in Zupfing[9]. Unter Pfarrer Bernhard Schwarz, der Domdechant von Passau war und seine Pfarre Taufkirchen durch einen Vikar verwalten ließ, wurde Taufkirchen lutherisch. Auch der Pfarrer Georg Schnier war ein Anhänger der neuen Lehre. Er scheint im Urbar Kallham am 18. Juni 1583 auf. Ebenso huldigten die Vikare von Kallham der protestantischen Lehre.

Seit dem ausgehenden Mittelalter hatten viele Pfarrkirchen Zu- und Nebenkirchen. Zur Pfarrkirche Taufkirchen gehörten als solche:

- St. Jakob in Altenhof,
- St. Margarethen,
- St. Veit in Höhenberg (heute: Hehenberg),
- Wendling.

Am letzten Februar 1598 kam Johann Grimmelius als Pfarrer nach Taufkirchen. Er war Propst von San Salvator in Passau und Kanonikus von Aschaffenburg und Regensburg. Zu dieser Zeit war er kaum 25 Jahre alt. Im Jahre 1600 verlegte er den Pfarrsitz nach Kallham und nannte sich nun "Pfarrer von Taufkirchen und Kallham". Er legte das älteste Urbar an. Ab 1600 war Kallham die Pfarre und Taufkirchen das dazugehörige Vikariat. Seit 1626 gab es wieder eigene Taufmatriken von Taufkirchen. In den Aufzeichnungen wird nicht immer sehr genau unterschieden, denn 1633 scheint in der Liste des Kanzlers des Bischofs von Passau Taufkirchen wieder als eigene Pfarre auf. Pfarrer Grimmelius starb im Jahre 1617. Im 16. Jh. gehörte Taufkirchen zum Erzdiakonat Lambach. Kirchenrechtlich wurde Taufkirchen dann im Jahre 1891 ein zweites Mal selbständige Pfarre.

Zu Beginn des Bestehens war das Kirchlein in Taufkirchen sicherlich ein Holzbau. Später wurde es durch einen romanischen Festbau ersetzt. Bei den Arbeiten im Jahre 1890 legte man unter der Sakristei ein Gewölbe frei, das zum Gebeinhaus gehörte. Zur Zeit der Gotik traten folgende Änderungen ein:

- das gotische Rippengewölbe in der Sakristei,
- Spitzbogen im Läuthaus,
- ein Zwickelgewölbe im Presbyterium.

Die Renaissanceteile stammen aus der zweiten Hälfte 17. Jh. Es sind dies das Hauptschiff der Kirche, die Empore und der Chorraum. Der Hochaltar stammt aus der zweiten Hälfte 18. Jh. und ist ein Werk des Bildhauers Scheck. Das Hochaltarbild stammt aus der Hand des Malers Paul Steiner aus Peuerbach, 1768. Rechts und links stehen Statuen der Heiligen Paulus, Johannes Ev., Johannes des Märtyrers und Johannes Bapt. Die barocken Seitenaltäre haben Skulpturen des hl. Nikolaus und der Gottesmutter Maria. Die Statuen des hl. Antonius und des hl. Franz von Assisi in den Seitennischen stammen vom Bildhauer Josef Furthner in Linz. Die barocke Kanzel ist zu verdanken:

- dem Tischler Michael Baumgartner, Wolfseck,
- dem Bildhauer B. Segn, Lambach,
- dem Maler Reiner, Grieskirchen.

Dargestellt sind die vier lateinischen Kirchenlehrer, 1688. Die Barockorgel baute der ortsansässige Orgelbauer Steininger aus Obertrattnach.

Im Jahre 1725 folgte ein weiterer Kirchenumbau, an der Nordseite wurde die St. Sebastiani-Kapelle angebaut. Der Altar zeigt das Martyrium des hl. Sebastian. Die Deckengemälde schuf der Maler Andreas Strickner aus Urfahr, sie zeigen die 14 Nothelfer. Der Altar der Totenkammer ist ins ausgehende 17. Jh. zu datieren. Heute wird er in der Volksschule aufbewahrt. Im Jahre 1887 wurde der Pfarrhofneubau fertiggestellt, 1899 folgte der Friedhofneubau. Die Pfarrkirche wurde im Jahre 1901 neuerlich renoviert. Am 14. Mai 1914 weihte Bischof Dr. J. Gföllner einen neuen Hochaltar. Auch nach dem Il. Weltkrieg gingen die Renovierungsarbeiten weiter, so z.B. 1958, 1975 (außen + Kirchendach) und 1984 (innen). Neue Geläute schaffte man in den Jahren 1892, 1923 und 1950 an.

Vom Verband der Altpfarre Taufkirchen haben sich abgespalten:

- Hofkirchen (mit Aistersheim, St. Georgen und Weibern), 1100 - 1200,
- Wendling, 1595,
- Pötting, 1763,
- Neumarkt, 1784,
- die O. Widldorf, 1975 nach Neumarkt i.H.

Filialkirche HehenbergDie Filialkirche in Höhenberg (Hehenberg) ist dem hl. Vitus (15. 6.) geweiht. Sie wurde im gotischen Stil erbaut und besaß das Sepulturrecht. Die Chöre schmücken schöne Gewölbe. Zur Muttergottesstatue auf dem Seitenaltar kommen seit etwa 1830 Wallfahrer. Unter Kaiser Joseph II. sollte die Filialkirche abgebrochen werden. Es war ein Glück, dass sich auch hier - ähnlich den Fällen St. Magdalena/Pfarre Schönau und Wödling/Pfarre Grieskirchen - ein Retter fand. Der Leidinger vom Luemergut in Höhenberg kaufte sie an und gab sie später wieder der Pfarrkirche zurück. Im Jahre 1978 hat man sie renoviert.

Auf dem Kirchberg in Hinteraichet stand ehemals die Filialkirche zum hl. Jakob. Sie hatte ihren Standort südlich des Reifengutes. Auch diese Filialkirche soll ein Sepulturrecht besessen haben. Dies schließt man daraus, daß im Jahre 1890 bei Abbrucharbeiten am Berg Knochenreste gefunden worden sind. Man entdeckte auch eine Gruft mit Bänken und Mauernischen aus Schlier. Im Urbar des Dominiums Pfarrhof Taufkirchen von 1600 scheint die St. Jakobskirche auf. In diese Filialkirche haben die Anhanger von Roit eine Wochenmesse gestiftet. Im Jahre 1786 wurde die Sperre der Kirche angeordnet, abgebrochen hat man sie um 1790. Die Glocke und das Altarbild sollen nach Roit gekommen sein. Das Mesnerhaus war das Haus Aichet Nr. 3.

Die Filialkirche in Oberunterstetten (heute Gemeinde Tollet) war der hl. Margaretha geweiht. Bis ins 16. Jh. hatte man auch hier das Begräbnisrecht, wie der Hausname "Freidhofschneider" beweist. Diese Filialkirche wurde 1786 abgetragen. Teile des Abbruchmaterials verwendete man für den Erweiterungsbau der Pfarrkirche Pötting.

Wappen Taufkirchen an der TrattnachsVerleihung des Gemeindewappens und Genehmigung der vom Gemeinderat am 28. August 1974 festgesetzten Gemeindefarben durch Beschluss der oberösterreichischen Landesregierung vom 7. Oktober 1974. Kreuz und Wasserwellen symbolisieren den schon Anfang des 13. Jahrhunderts in den Traditionen des Hochstiftes Passau bezeugten Ortsnamen. - Die blaue Wellenleiste verweist aber ebenso auf die Trattnach, die auch im Gemeindenamen zur Unterscheidung von gleichnamigen Orten (Taufkirchen an der Pram!) aufscheint. 

'Persönlichkeiten' aus dem Pfarrgebiet:
Mathias Altmann vor seinem Schreibtisch Zu nennen ist auch Matthias Altmann[10], dessen Bauernhaus in der Ortschaft Damberg noch heute steht. Er wurde am 24. Februar 1790 als Sohn des Pflegers von Erlach geboren. Da dieser auch eine Landwirtschaft betrieb, konnte der junge Matthias schon frühzeitig die Landwirtschaft kennen lernen. Matthias genoss eine sehr gute Erziehung und absolvierte das Gymnasium zu Kremsmünster. Matthias Altmann nahm an der Schlacht bei Aspern (1809) teil und war bis 1816 bayrischer Offizier, im Anschluss daran österreichischer. Nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1821 quittierte er den Dienst und kaufte mit seinem Erbteil das Nigelgut in Dambach 1. So wurde er nun Landwirt. Am 9. November 1826 ehelichte er die Bauerntochter Maria Höfler. Deren beider Tochter Maria Theresia nahm am 17. November 1846 den Simon Weidenholzer vom Schwarzgrubergut in Oberholzing zum Mann. Den Hof übergab er im Jahre 1860 an seinen Sohn, zog sich in das Haus Nr. 94 der Freyung in Neumarkt i.H. zurück und starb am 28. April 1880 im Alter von über 90 Jahren.

Matthias Altmann hat sich auch literarisch betätigt. Sein Hauptwerk ist das "Georgikon", ein bäuerliches Lehrgedicht, 1845. Es behandelt die bäuerliche Arbeit und das ländliche Leben. Die Drucklegung dieses Werkes besorgte EH. Johann. Im IX. Gesang erzählt Altmann von der Schlacht bei Aspern. In den "Verhandlungen und Aufsätzen der k.k. Landwirtschaftsgesellschaft in Oesterreich ob der Enns", Band IV, Heft 2, ist ein Beitrag Altmanns mit dem Titel "Beschreibung der Kommerzialbezirke Erlach und Riedau" abgedruckt. Pfarrer Johann Weidenholzer von Wendling hat in der Rieder Heimatkunde dem Matthias Altmann den Aufsatz gewidmet: "Matthias Altmann, ein vergessener, oberösterreichischer Dichter".

Josef Krempl, Gedenktafel aus 1931

Zu gedenken ist auch des Mundartdichters Josef Krempl, der am 11. Februar 1862 im Schneiderhäusl in Obertrattnach Nr. 25 geboren wurde. Seine Mutter übersiedelte nach Jeding, Gemeinde Gaspoltshofen. Hier besuchte Krempl vom 1. Mai 1869 - zum Schuljahr 1874/75 die Volksschule. Nach dem Schulbesuch arbeitete Krempl in Steyr als Maler. In der Folge unternahm er Reisen nach Deutschland, Frankreich und in die Schweiz. Ab dem Jahre 1894 arbeitete er in der Waffenfabrik Steyr und lebte dann in Linz als Schriftsteller. Hier gibt er 1908 den "Deutschen Humor" heraus. Ab 1909 lebt Josef Krempl teils in Graz, teils in Wien. 1914 stirbt er in Wien, völlig verarmt. 1931 wird am Geburtshaus eine Gedenktafel enthült (siehe rechts). 1980 schließlich stellte man an seinem Geburtshaus einen Gedenkstein auf, geschaffen vom Bildhauern Josef Furthner. An der Fassade des neuen Volksschulgebäudes in Taufkirchen/Tr. ließ die Heimatgemeinde Krempls ein Sgraffito mit seinem Bildnis anbringen.

Sein Werk umfasst: 
- 4 Gedicht-Sammlungen in Mundart, 
     * "Meine Landsleut", 
     * "Landflucht", 
     * "Landlagmüat", 
     * "Hoamatgläut", 
- in Prosa: "Aus 'm Löbn griffn", 
- 3 Bände "Studien aus dem oö. Volksleben".

Einer besonders schillernde Person scheint Alois Stumpfl alias Bischof Timotheus gewesen zu sein. Die folgenden Daten zitiert Josef Zeiger aus der Diplomarbeit des Otto Winkler "Bischof Pater Timotheos Alois Stumpfl", Linz 1979, entnommen. Alois Stumpfl, so sein bürgerlicher Name, wurde am 1. Mai 1900 in Taufkirchen geboren. Seine Mutter Anna war Postmeisterin in Waizenkirchen und Ried/I. Sein leiblicher Vater war der Zimmermann Georg Miedl, der auch als Druschmann tätig war und 1954 gestorben ist. Alois Stumpfl hatte Kontakt zu den Altkatholiken, Adventisten und Baptisten. Später trat Alois Stumpfl aus der katholischen Kirche aus. Ab 1921 führte er mit der Engländerin Georgianna Tucker eine platonische Ehe. Am 12. Juli 1923 wurde er zum Priester geweiht, ohne vorher die vier niederen Weihen erhalten zu haben. Am 3. Juni 1924 folgte in Bern die Bischofsweihe als "Apostolischer Missionar der altchristlichen Gläubigen Osterreichs und Wanderbischof". Am 20. Juli 1947 erhielt Alois Stumpfl in England die vier niederen Weihen, tags darauf die Subdiakonats-, die Diakonats- und die Priesterweihe. Die Bischofsweihe erhielt er neuerlich am 27. d.M. Er selbst hat einen orthodoxen Mönch zum Bischof, zwei Personen zu Chorbischöfen sowie einige andere zu Priestern und Diakonen geweiht.

Mit dem Wohnsitz in St. Johann in Tirol war er in der Folgezeit als Bibelbote für Tirol und Vorarlberg tätig. Alois Stumpfl besaß keine höhere Schulbildung, sondern bildete sich autodidaktisch weiter und beschäftigte sich viel mit altchristlicher Liturgie, mit der Archäologie der Katakomben und mit dem Studium der Reliquien. Im Jahre 1939 wurde er von der Gestapo verhaftet. Ab 1942 wohnte er in Obernberg/Inn, ab 1947 in St. Johann in Pongau. In diesem Jahre ließ er sich von Tucker scheiden. Bischof Timotheos fühlte sich als Eparch (= Bischof) von Aquileja. Er starb am 11. September 1951, wurde in seine Heimat überführt und liegt auf dem Friedhof in Taufkirchen/Tr. begraben. Seinen orthodoxen Glauben verstand er als rechtgläubig. Der Weihe nach war Timotheos syrisch/orthodoxer Bischof. Er bekannte sich zur heiligen, apostolischen und katholischen Kirche, aber losgelöst von Rom. In Ried/I. hatte er eine "Urchristliche Gemeinde" gegründet.

Orgelbauer Steininger: In Taufkirchen/Tr. war auch eine Orgelbauerfamilie ansässig - Steininger in Obertrattnach. Karl Steininger wurde 1880 in Taufkirchen geboren und starb im Jahre 1963. Siebzehn neue Orgeln und über 100 neue Harmonien wurden in dieser Werkstatt gebaut. Die letzte Orgel war 1944 für Roitham bei Gmunden bestimmt.

Chronologie der Pfarre und Gemeinde Taufkirchen/Tr.

  785 Ein Priester namens Selnrich hat seine Besitzungen in "dratihaha" (Trattnach-Obertrattnach) der Kirche geschenkt. Mit Schenkung dieses Eigengutes in Trattnach an die Domkirche St. Stephan in Passau wurde ein wichtiges kulturhistorisches und rechtsgeschichtliches Ereignis vollzogen
  1000 Taufkirchen wird Seelsorgemittelpunkt eines ausgedehnten Gebietes.
1088 Schloss Roith, einer der ältesten Edelsitze wird erstmals urkundlich erwähnt, obschon seine Gründung vor dem Jahre 1000 erfolgt sein dürfte.
1203 Erste urkundliche Erwähnung eines Edelsitzes in Vatersam
  1293 Erste urkundliche Erwähnung von Höhenberg als „Hehenberg“.
  14. Jhd. Die Kirche zum Hl. Vitus in Höhenberg entsteht im gotischen Baustil.
  1475 Die Kirche zum Hl. Jakobus in Hinteraichet wird erstmals urkundlich erwähnt.
1516 - 1530 Im Urbar der Pfarre ist von einem Schulmeister die Rede.
  ab 1600 Kallham wird Pfarre und Taufkirchen wird zu einem Vikariat zurückgestuft.
1620 Schloss Roit und der Pfarrhof durch bairische Soldaten niedergebrannt (im Zuge des Dreißigjährigen Krieges)
1633 In einer Passauer Liste scheint Taufkirchen wieder als eigene Pfarre auf.
  1670-1980 Die im romanischem Baustil errichtete Kirche erhält ein im Renaissancestil erbautes Hauptschiff.
  1725 Durch einen nochmaligen Umbau erhält das Gotteshaus an der Nordseite die Sebastani-Kapelle.
  1790 Das holzgebaute Schulhaus wird durch einen Brand zerstört und durch das erste gemauerte Schulhaus ersetzt.
  1835 Die Musikkapelle wird ins Leben gerufen.
1850 1. Bürgermeister ist Johann Trinkfaß.
  1861 Mit der Eröffnung der „Kaiserin-Elisabeth-Bahn“ wird die Gemeinde an das europäische Bahnnetz angeschlossen.
  1870 Errichtung des „K.K. Postamtes Obertrattnach“.
  1886-1887 Die Lourdes-Kapelle in Aich wird von den Eheleuten Johann und Maria Hager auf eigene Kosten und Grund erbaut.
  1890 Gründung der freiwilligen Feuerwehr Taufkirchen an der Trattnach.
1891 Taufkirchen wird zum 2. Mal kirchenrechtlich zur selbstständigen Pfarre.
  1898 Die Raiffeisenkasse Taufkirchen wird gegründet.
  1901 Gründung des Musikvereines.
1913 Die letzten Reste von Schloss Roit fallen.
1921 Verlegung des Postamtes nach Taufkirchen
1950 Am östlichen Ortseingang wird das Gemeindehaus errichtet.
1958-1962 Große Außen und Innenrenovierung der Kirche
1959 Das Postamt wird im Zubau des Gemeindeamtes untergebracht.
1971 Restaurierung des Pfarrhofes und Adaptierung des Wirtschaftsgebäudes zu einem Pfarrheim
7. Oktober 1974 Verleihung des Gemeindewappens (Beschluss der oberösterreichischen Landesregierung); Genehmigung durch den Gemeinderat am 28. August 1974
1984 Innenrenovierung der Pfarrkirche
1985 Taufkirchen an der Trattnach feiert sein 1200-jähriges Bestehen
1994 Segnung der neuen Orgel
2000 Ausbau des Pfarr-Kindergartens
2002 Schließung des Postamtes
27.04.2009 Markterhebung
09.08.2009 Eröffnung Gemeindezentrum mit Musikproben- und Kultursaal, Marktgemeindeamt und Feuerwehrhaus


Weiter Infos:  Homepage der Gemeinde ('Gemeindeportal')
                    Geografische Daten zur Gemeinde
                    Zahlen und Fakten zur Gemeinde




 

[1]  vgl. Zeiger Josef, 1986: "Ortsgemeinde Taufkirchen" in: Vom Hausruck bis zur Donau – von der Sallet bis zum Hausruck; Steyr, Verlag Wilhelm Ennsthaler, S. 395ff und "Der Bezirk Grieskirchen - Ein Heimatbuch", 1977, Grieskirchen, Bezirksheimatverein Grieskirchen. 

[2]  Festschrift "1200 Jahre Taufkirchen/Trattpach", Ried 1985, S. 16.

[3]  In der Abhandlung zur Ausgabe der Sondermarke zur 1200 Jahr-Feier der Gemeinden 'Hofkirchen - Weibern - Taufkirchen' findet sich unter Taufkirchen nachstehende interessante Diskussion:

Sondermarke 1985: 1200-Jahr-Jubiläum der Gemeinden ...Das wichtigste Dokument für die Umgebung von Grieskirchen ist eine Schenkungsurkunde, die im Codex Traditionum antiquissimus Ecclesiae Pataviensis überliefert ist. Wegen der sehr umstrittenen Auslegung dieses wichtigen Beleges sei er in seinem ganzen Umfang angeführt:

"Im Namen des Herrn unseres Gottes Jesu Christi. In den Zeiten des glorreichen Herzogs Tassilo, im 38. Jahre seines Herzogtums (der 5. Indikation) mit Zustimmung und Erlaubnis dieses Fürsten.

Ich Lantpert übergebe und bestätige (die Übergabe folgender Güter): All das, was ich besessen habe im Orte, der Trattnach genannt wird, zu Weibern und dem anderen Orte, wo das Wasser Ino (Innbach) genannt wird; seien es Knechte und Mägde, seien es zinspflichtige Güter, Wiesen, Felder, Wälder und Teile von Wasserläufen, bewegliches und unbewegliches Gut, Kulturboden und Waldland, all das übergebe ich, wie ich gesagt habe, in den dauernden und gesicherten Besitz dieser Kirche zum heiligen Johannes und zugleich durch die Johanniskirche in den Besitz der Basilika der Heiligen Stephan und Valentin mit Ausnahme dessen, was meiner Hausfrau zugehört.
Sollte jedoch irgend jemand feindlich Gesinnter oder einer von meinen Erben diese Schenkung ungültig erklären, so sei er verfallen dem Zorne des allmächtigen Gottes, habe Anteil an dem Lose des Verräters Judas und sei im Rechtsstreit mit dem allerseligsten heiligen Stephan. Keineswegs sollen dann diese Güter unangefochten in seinem Besitz sein.

Zeugen dessen sind: Williperht, Isandeo, Engildeo, Renginhelm, Hodolhoh, Ruotperht, Regilolt." (Berger Franz, 1929: 'Zur Besiedlungsgeschichte' in: Hofkirchen an der Trattnach, Festschrift zur Feier der Markterhebung, S. 18 f).

Ein Problem stellt bereits die Datierung dar. Einerseits ergibt das 38. Regierungsjahr Tassilos das Jahr 785, andererseits resultiert aus der fünften Indiktion aber das Jahr 782. In der Literatur finden sich beide Jahreszahlen (Urkunden des Landes ob der Enns, Bd. 1, S. 443).

Drei Eintragungen im ältesten Passauer Traditionskodex sind die ältesten Belege für die Kirchengeschichte des Trattnachtales. Während man den ersteren in die Jahre 782-785 einordnen kann, wird der letztere einhellig mit dem Jahre 815 identifiziert. Das Urkundenbuch des Landes ob der Enns wird mit "circa 782" datiert (Urkunden des Landes ob der Enns, Bd. 1, S. 443); das Jahr 785 wird des öfteren angeführt (vgl. Leeb Hubert, 1956: Beiträge zur Geschichte von Grieskirchen und Umgebung, Grieskirchen, S. 15).

Das breite Trattnachtal war zur Zeit Karls des Großen ein kultiviertes und besiedeltes Land. Daher ist es durchaus verständlich, daß sich in diesem Bereich des Trattnachtales zur Zeit der Agilolfinger eine ecclesia sancti Johannis befand. Aus dem 8. bzw. 9. Jahrhundert ist uns nun der Name eines Presbyters überliefert, der in diesem Raum begütert war. Es ist sogar naheliegend, dass dieser Presbyter an dieser Johanneskirche tätig war.

Unter einem Presbyter ist im 8. Jahrhundert ein Weltpriester im Range eines Pfarrers zu verstehen; um diese Zeit kann man unter einer ecclesia eine Kirche mit Funktionen einer Taufkirche verstehen. Diese ecclesia sancti Johannis scheint um 785 im Besitz des Lantprecht gewesen zu sein, denn sonst hätte er ihr nicht Besitzungen vermachen und diese samt der Kirche der Bischofskirche in Passau übertragen können. Sie war offensichtlich eine Eigenkirche des Schenkers gewesen. Die Institution der Eigenkirchen rief überall heftigen Widerstand der Bischöfe hervor, da manches den kanonischen Vorschriften widersprach, um eine geordnete Seelsorge zu gewährleisten. Es gab ja um 800 noch eine Menge Eigenkirchen im Besitze von Laien beziehungsweise Grundherren.
Da Johannes der Täufer auf eine Taufkirche hinweist, gibt es eine Verbindung mit dem Ort Taufkirchen an der Trattnach. In Anbetracht des Titelheiligen der Kirche seien zwar Argumente für Hofkirchen anzuführen, aber die nur wenige Kilometer entfernte Siedlung Taufkirchen gebe zu bedenken, denn gerade dieser Ortsname sei für die Zeit der Entstehung des Pfarrnetzes im 8. Jahrhundert charakteristischer. Da man an der Existenz einer Taufkirche im Trattnachtale im späten B. Jahrhundert kaum zweifeln könne, so stellt sich die Frage, wie man den später auftretenden Namen "Taufkirchen" erklären soll, wenn nicht dieser Kirche das Taufrecht zugestanden wäre. Der Name "Taufkirchen" sei in die frühe Karolingerzeit einzuordnen, da im späten 9. Jahrhundert und im frühen Kolonisationszeitalter für Kirchen mit Taufrecht der Name "Pfarrkirchen" auftrete.

Nun ist es aber äußerst unwahrscheinlich für jene Zeit, daß Hofkirchen und Taufkirchen, beide mit dem Tauf- beziehungsweise Pfarrecht ausgestattet, in einem so kleinen räumlichen Intervall nebeneinander bestanden haben. Obwohl heute das Gotteshaus von Taufkirchen das Martinspatrozinium trägt und Hofkirchen Johannes dem Täufer geweiht ist, ist es doch sonderbar, dass diese im B. Jahrhundert bestehende Ortschaft Taufkirchen den heiligen Martin als Kirchenheiligen führt. Es kann sich kaum ein fränkischer Einfluss, der die Verehrung dieses Heiligen förderte, in das dem West-Ost-Verkehr entlegene Trattnachtal ausgewirkt haben, auch sind keine Spuren aus früherer Zeit zu finden wie agilolfingisches oder karolingisches Fiskalgut. Es spricht also vieles dagegen, dass die Kirche von Taufkirchen, die infolge ihres Namens in der zweiten Hälfte des B. Jahrhunderts bestanden haben muss, ursprünglich ein Martinsheiligtum war. Da im Hochmittelalter Patroziniumswechsel öfters vorkommen, so ist dies vielleicht auch in Taufkirchen geschehen. Es ist nämlich auffallend, dass die jüngere Nachbarspfarre Grieskirchen ebenfalls dem heiligen Martin dediziert war; so könnte die Verehrung dieses Heiligen von dort nach Taufkirchen gelangt sein. Da gerade das Täuferpatrozinium für die Taufhäuser der alten Pfarrkirchen besonders kennzeichnend war, liegt somit die Vermutung nahe, daß das Täuferpatrozinium ursprünglich von Taufkirchen gewesen ist. Erst in späterer Zeit sei dann ein Übergang dieses Heiligen auf die Tochterpfarre Hofkirchen erfolgt, vielleicht zu der Zeit, als sie sich von der Mutterpfarre verselbständigte und das Taufrecht erhielt; dabei übernahm dann Taufkirchen den heiligen Martin als Kirchenpatron. Michael Pühringer hält ebenso Taufkirchen für die älteste Pfarre in dieser Gegend; er vermutet, dass dieser Ort eine Missionsstation eines Jüngers vom heiligen Rupert war, der hier seinen bleibenden Aufenthalt nahm, um den Gläubigen aus Nah und Fern die Taufe zu erteilen. Für ihn sind folgende Kriterien für das hohe Alter Taufkirchens ausschlaggebend:

    * Der alte Passauer Codex, in dem im Jahre 782 Taufkirchen genannt ist;
    * die Ortsbenennung als Baptisterium;
    * der Name des Kirchenpatrons St. Martin und
    * die hohen Einkünfte des Pfarrers.

Taufkirchen war nämlich die einträglichste Landpfarre Oberösterreichs (vgl. auch Wodka Josef, 1959: Kirche in Österreich. Wegweiser durch ihre Geschichte, Wien, S. 408, Anm. 6 und Pühringer Michael, 1882: Geschichte von Grieskirchen und Umgebung, S 15f).

[4]  Grabherr Norbert, 1975: Historisch-topographisches Handbuch der Wehranlagen und Herrensitze Oberösterreichs, Wien S. 49, E/25/1. 

[5]  Grabherr, 1975, op. cit: S. 49, E/25/2. 

[6]  Sekker Franz, 1925: Burgen und Schlösser, Städte und Klöster Oberösterreichs. Linz, S. 231f. 

[7]  Grabherr, 1975, op. cit: S. 49, E/25/3. 

[8]  Strnadt Julius, 1868: Peuerbach - Ein rechtshistorischer Versuch, Linz, S. 236.

[9]  Strnadt, 1868, op. cit: S. 241.

[10]  Mathias Altmann ist der Urgroßvater 3. Grades ('Urururgroßvater') der Frau (Marianne Altmann) meines Bruders Manfred Breitwieser.

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