Georg Katzinger
- Geboren: 16 Apr. 1877, Perwolfing 10, Pf. Rohrbach um 16:00 1
- Gestorben: 28 Aug. 1937, Sarleinsbach 64 (Pfarrhof), Pf. Sarleinsbach um 06:30 im Alter von 60 Jahren 2
Allgemeine Notizen:
* Adressen: - 1: Perwolfing 10, Pf. Rohrbach - 2: Linz - 3: Losenstein (ab 1900) - 4: Reichraming (ab 1909) - 5: Molln 132 (Pfarrhof), Pf. Molln (ab 1921) - 6: Sarleinsbach 64 (Pfarrhof), Pf. Sarleinsbach (ab 1932)
* Sonstiges: ° Bericht in Mühlviertler Nachrichten, 03. Juli 1937, S 7:
Dechant Pfarr Georg Katzinger von Sarleinsbach gestorben. 28. August um halb 7 Uhr früh starb in Sarleinsbach Hochwürden Herr Geistlicher Rat, em. Dechant und Pfarrer Georg Katzinger nach längerem, schwerem Leiden. Dechant Katzinger stammte aus Rohrbach, wo er am 16. April 1877 geboren, wurde. Die Priesterweihe empfing er am 19. November 1899. Er wirkte dann als Kooperator in Losenstein und als supplierender ReligionsIehrer in Freistadt. Im Jahre 1909 wurde er Pfarrer in Reichraming, 1921 Pfarrer und Dechant in Molln und 1932 Pfarrer in Sarleinsbach. Mit Dechant Katzinger ist ein ungewöhnlich begabter und origineller Mensch, eine ausgeprägte Persönlichkeit, ein untadeliger Priester und hochverdienter Seelsorger dahin gegangen. 1877 als Sohn eines ehrsamen Mamers in Perwolfing bei Rohrbach geboren, zog er in der Volksschule durch seine Begabung die Aufmerksamkeit seines Katecheten auf sich und kam wie so manches arme Mühlviertler Büblein „in die Studie", ans k. k. Staatsgymnafium nach Linz. Hier schlug er sich zwei Jahre als Koststudent durch, fand dann im Konvikt am „Haiderhof" (jetzt Salesianum) ein glückliches Studentenheim und an Monsg. Stingeder, dem Direktor des Konviktes, einen klugen und gewogenen Mentor. Mit einem glänzenden Reifezeugnis verließ er 1896 das Gymnasium und trat ins Linzer Priesterseminar, wo er 1899 die Priester- weihe erhielt. 1900 wurde er als Kooperator nach Losenstein entsendet und mit der Ausgabe betraut, den Bau der neuen Kirche, des Pfarrhofes und Friedhofes in Reichraming zu vollenden. In unverwüstlicher Arbeitskraft, mit Umsicht und Tatkraft brachte er es zustande, daß 1909 die neue Pfarre Reichraming errichtet werden konnte und wurde ihr erster Pfarrer. Zwölf Jahre lang entfaltete er in dieser armen Arbeiter- und Bergbauerngemeinde eine ganz hervorragende seelsorgliche und soziale Tätigkeit. Mit seinem blühenden katholischen Arbeiterverein setzte er der von Steyr ins Ennstal vordrängenden roten Flut des Marxismus einen starken Damm entgegen, der bis zum großen Zusammenbruch nach dem Weltkrieg standhielt. 1921 wurde Pfarrer Katzinger auf die große und beschwerliche Pfarre Molln berufen, von seinem Bischof zum Geistlichen Rat ernannt und als Dechent des Dechats Molln bestellt. Wieder warteten seiner schwere Aufgaben. Die Pfarrkirche in Mölln war zu vergrößern und gründlich zu erneuern. Das politische und soziale Leben der Pfarrgemeinde Molln war in den Wirren der Nachkriegszeit bedrohlich zermürbt. An Dechant Katzinger hatten die Gutgesinnten den starken und klugen Führer. Elf Jahre lang stand er auf diesem wichtigen und arbeitsreichen Seelsorgsposten, bis seine Gesund-heit und Arbeitskraft zermürbt war. Wiederholte Gichtanfälle nötigten ihn, die Pfarre Molln mit ihrem beschwerlichen Terrain und den weit abgelegenen Filialschulen aufzugeben. Er war ein abgearbeiteter, müder Mann, als er l932 als Pfarrer nach Sarleinsbach ging; aber auch hier hat er noch bis zum Zusammenbruch seines starken Organismus mit vorbildlicher Treue und Opferwilligkeit die ganze Last der Seelsorge auf sich genommen. Die treu-katholische und tief religiöse Pfarrgemeinde Sarleinsbach weiß, was sie an Pfarrer Katzinger verloren hat. Die vielen Gebete während der letzten schweren Krankheit und die Tränen, die an seiner Totenbahre geweint werden, legen Zeugnis davon ab. Pfarrer Katzinger war ein echter Sohn des Mühlviertel. Bedächtig, zähe, ein Verächter alles hohlen Scheins und äußerlicher Aufmachung, ist er in der breiten Öffentlichkeit nie recht hervorgetreten. Nur vertrauten Freunden und Mitbrüdern erschloß er die Schätze seines Wissens und Könnens, sein tiefes Gemüt, sein grundehrliches, treues Herz. Er war ein tüchtiger Redner und Prediger, wenn ihm auch die Stimmittel und das äußere Auftreten zu einem glänzenden Redner mangelten. Er hätte das Zeug zum Politiker und zum Schriftsteller gehabt, war in der schönen Literatur bewandert und besaß ein reiches, geschichtliches Wissen. Aber er haßte das grelle Rampenlicht der Lebens-bühne und blieb der einfache „Landpfarrer". Sein Leben ging in schlichter Seelsorgsarbeit auf. Schließlich ist das so recht eigentlich Arbeit für die Ewigkeit. Seine Werke folgen ihm nach. Er ruhe im Frieden! Pfarrer Katzinger hat auch in Sarleinsbach trotz seines damals schon sehr spürbaren und ihn behindernden Leidens die Sorge und Mühe einer Kirchenerneuerung auf sich genommen. Das Sarleinsbacher Gotteshaus war das letzte Mal unter Dechant Berger im Jahre 1904 ausgemalt und damals nicht sehr glücklich erneuert worden. Pfarrer Georg Katzinger ließ den schönen, in seiner Architektur gotischen Kirchenraum vor zwei Jahren vom Maler Daringer nun ausmalen. Was hier zustaudekam, ist eine der schönsten Arbeiten, die es im Lande Oberösterreich gibt. Die Malerei ist nicht allein höchst geschmackvoll und vornehm, son-dern paßt sich auch der gotischen Architektur vorzüglich an. So hat Pfarrer Katzinger außer seinem beispielgebenden Wirken als Seelsorger und Freund der Menschen auch äußere Zeichen seiner Persönlichkeit in Sarleinsbach hinterlassen und seinem echten, natürlichen Kunstsinn und seiner vornehmen Denkungsart ein Denkmal gesetzt. Nicht uner-wähnt soll auch das rege geschichtliche Interesse des Ver-storbenen bleiben, der nicht geringe Verdienste an dem Gelingen der 400-Jahr-Feier der Markterhebung von Sarleinsbach hatte. Er hat übrigens auch dem werdenden Linzer Volkskundemuseum einige hübsche Gegenstände gespendet, heuer im Juli noch einen schönen Pfeifenkopf mit ziselier-tem Silberdeckel. Vom Tode bereits gezeichnet, übergab erihn mit launigen Motten. Dazu wird uns noch berichtet: Der Herr über Leben und Tod hat am 28. August unseren lieben Herrn Dechant Georg Katzinger in ein besseres Jenseits abberufen. Am Samstag um halb 7 Uhr früh verkündeten alle Glocken den allzufrühen Tod unseres Hirten. Der ewig Hohepriester hat den todeskranken Herrn Dechant aus seinem schweren Leiden erlöst. Ueberall sah man traurige Gesichter und hörte nur in Ehrfurcht und Liebe vom verstorbenen Herrn Dechant reden. Viele von der Pfarrgemeinde fanden.sich.an der herrlich geschmückten Toten-bahre ein, um dem teuren Verstorbenen noch einmal in sein gütiges Antlitz zu schauen und für sein Seelenheil zu beten. Das Begräbnis war für den Dienstag angesagt. Der zahlreich erschienene Klerus nahm vor dem Pfarrhof Aufstellung. Am Trauer-zuge beteiligten sich alle Vereine, Behörden, die Musik und eine zahlreiche Bevölkerung. Als um 10 Uhr das Glockengeläuts begann, fetzte sich der Trauerzug in Bewegung. Unter den Trauerklängen der Musik zog man zur Kirche. Der hochw. Herr Dechant Josef Poeschl aus Peilstein hielt das Totenamt, bei dem die hochw. Herren Pfarrer Alois Schmidt aus Lembach und Josef Fischer aus Putzleinsdorf assistierten. Nach dem Libera bewegte sich der traurige Zug zum Grabe. Hochw. Herr Dechant Josef Poeschl hielt dem lieben Verstorbenen einen ehrenden Nachruf und forderte die Anwesenden auf, den teuren Verblichenen im Gebete nicht zu vergessen. Während die Schollen auf den Sarg kollerten, sang der Männerchor unter der Leitung des Herrn Körner ein tiefergreifendes Abschiedslied. Tieferschüttert nahmen wir vom Grabe unseres guten Hirten und Seelenführers Abschied und nahmen den festen Vorsatz mit, des Verstorbenen stets im Gebete zu gedenken! Hochw. Herr Dechant Georg Katzinger ruhe im Frieden!
Erinnerungen an Pfarrer Katzinger (von Dr. Johann Schwrazbauer, Linz, 1991): Georg Ratzinger Pfarrer und Dechant in Sarleinsbach in den dreißiger Jahren (Nachfolger von Pfarrer Karl Perr, Vorgänger von Dr. Leopold Böck. Gebürtiger Rohrbacher, Sohn eines Maurers. Er war in seiner Art ein Original, was besonders in seinen Sonntagspredigten zum Ausdruck kam. Dafür 2 Beispiele: 1.Predigt über das Sonntagsevangelium vom Pharisäer und Zöllner (2 Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten …). Dazu Pfarrer Katzinger: „Bei uns könnte man sagen: sie gingen in den Tempel, um zu schlafen (Anm.: Viele Bauern sind während der Predigt, ob sie wollten oder nicht, eingeschlafen). Ich mach das halt immer so: wenn ich vor der Predigt das Evangelium verlese, dann setze ich meine Brille auf, damit ich sehe. Und wenn ich nach der Predigt die Verkündigungen verlese, dann setze ich wieder meine Brille auf, damit ich sehe. Aber während der Predigt nehme ich meine Brille ab, damit ich gar nicht, sehe, wer alles schläft…" Durch die Reihen der Åndächtigen ging damals ein hörbares Kichern und Schmunzeln. 2.Predigt über das Verhalten in der Kirche, z.B. über die Unsitte, einfach auf den Boden zu spucken. Dazu erzählte der Herr Dechant eine Anekdote aus seiner vorhergehenden Seelsorgestation Molln, wo er auch Ehrenbürger war: „Da hab ich in Molln einmal einen Bauern, der in der Kirche immer auf den Boden gespuckt hat, deswegen zur Rede gestellt. Da hat er mir zur Antwort gegeben: Wann i nimma spiatz'n (=spucken) kann, via i wüll, dann geh i überhaupt nimma in d 'Kira." Pfarrer Katzinger hat auch die zum Pfarrhof gehörenden Grundstücke noch landwirtschaftlich genutzt, er war gewißermaßen also auch Landwirt. (Erst unter seinem Nachfolger Dr. Böck wurden diese Grundstücke verpachtet). In den dreißiger Jahren gab es einmal einen sehr heißen und trockenen Sommer. Das Getreide auf den Feldern sah entsprechend aus. - Der Herr Dechant ging durch seine Felder, ich begegnete ihm, er wies mit der Hand auf den kümmerlichen Hafer und sagte: „Frei selb 'n diascht oan, wann ma den Hawern anschaut". Dechant Katzinger war schwer gichtleidend. Damals, nach dem früheren Ritus, mußte der Priester bei der Messe viel öfter die Knie beugen als heute. Für Pfarrer Katzinger muß jede einzelne Kniebeuge eine Tortur gewesen sein: jede einzelne Kniebeuge war von einem schmerzlichen und hörbaren Schnaufen begleitet Ansonsten erinnere ich mich noch daran, daß er wohl der unmusikalischste Mensch war, den ich kannte. Damals gab es jeden Sonntag ein lateinisches Amt, dann Requiem, Rorate… Der Herr Dechant sang, wie er es eben konnte; damals müssen aber die letzten Kirchenmäuse das Weite gesucht haben ! Rerq uiescat in pace!
° weitere Zeitungsnotizen siehe 'Zeitungsnotizen' der Reisinger-Linie
Bekannte Ereignisse in seinem Leben waren:
• Erste Adresse: Perwolfing 10, Pf. Rohrbach. .
• Er wurde am 17 Apr. 1877 in der Pfarrkirche Rohrbach um 08:30. getauft. 1
• Taufpate/In: Jakob Haudum, Bauer in Perwolfing No 1. . 1
• Letzte Adresse: Sarleinsbach 64 (Pfarrhof), Pf. Sarleinsbach. .
• Er war im Jahr 1937 tätig als Emirierter Dechant, Pfarrer in Sarleinsbach. . 2
• Seine Trauerfeier war am 31 Aug. 1937 am Friedhof Sarleinsbach um 10:00. . 2
|