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| Emanuel Aigner (1841-1894) | Baum | Artikel einblenden | |
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Trotzdem nun die Vorstehung ihre Pflicht in jeder Weise erfüllte, wird die Genossenschaft in der in Nr. 6 der „Tages-Post" vom 9. Jänner I. J. unter dem Schlagworte: Sprachliche Plaudereien erschienenen Artikel ganz anständig durch die Hachel gezogen und namentlich die Vorstehung für die in jüngster Zeit neuerdings vorgekommenen Schreibfehler gewissermaßen verantwortlich gemacht. Die Genossenschafts-Vorstehung hätte auch auf die Blumenlese von jenen in den Linzer Hauptstraßen (?) prangenden, von Schreibfehlern strotzenden Firmen- und Aushäugschildern sicherlich keine Zeile erwidert, wenn nicht der ganze Artikel in den Schmerzensschrei ausgeklungen, daß sich kein einziger Maler und Anstreicher bisher bewogen gefunden, bei einen der über die Rechtschreibung auskunftertheilenden Herren Sprachreinigungs-Professoren vorher anzufragen! Ja, das ist nun allerdings eine unverantworiliche Unterlassungssünde, für welche aber die Vorstehnng nicht kann, denn derselben steht ja doch kein Strafrecht über halsstarrige Mitglieder zu, die eine derartige Weisung nicht befolgen wollen und Starrköpfe, die ohnedies alles besser verstehen und eine solche, wie sie glauben, Bevormundung ein- für allemal sich verbieten, gibt es wohl in jeder Genossenschaft, warum soll also gerade die Malergenossenschaft hievon eine Ausnahme machen und nicht irgendein Mitglied sich finden, das ohnehin alles selbst am besten kann und versteht? Und ein solches Milglied hat sich denn auch gefunden. Dies beweist das in Nr. 9 der „Tages-Post" vom 11. Jänner l. J. unter dem Schlagworte: Zur Aufklärung erschienene „Eingesendet", worin dieses Mitglied der staunenden Mit- und Nachwelt den gedruckten Beweis zu erbringen versucht, nie einen Schreibfehler gemacht, stets die geschmackvollsten, correctesten Schilder gemalt zu haben und überhaupt der einzige behördlich befugte Schildermaler in Linz zu sein, dem andere nur unbefugterweise ins Handwerk pfuschen, weshalb dann so fehlerhafte Schilder, für welche dieser „Unfehlbare" selbstverständlich nicht verantwortlich gemacht werden dürfe, zustande kommen. Der Malergenossenschaft fällt es übrigens gar nicht ein, an der Kunst des als einzigen gewerblichen Schildermalers unterfertigten Herrn Emanuel Aigner zu rütteln oder dessen Arbeiten zu kritisieren, aber die Behauptung, der einzige gewerblich befugte Schriftenmaler in Linz zu sein, dem andere unbefugt ins Handwerk pfuschen, verdient denn doch etwas niedriger gehängt zu werden, und zwar ebenfalls zum „ewigen Gedächtniß". Wenn Herr Emanuel Aigner in seinem „Eingesendet" behauptet, einzig und allein die gewerbliche Licenz eines Schildermalers in Linz zu besitzen, so erinnern wir diesen Herrn nur an die Entscheidung der ersten Geweibebehörde vom 27. Jänner 1888, Z. 22471, welche lautet: Schon diese Entscheidung allein dürfte genügen, die Behauptung des Herrn Emanuel Aigner, der einzige gewerblich befugte Schildermaler in Linz zu sein, als eine Lüge zu documentieren und wir hätten daher Herrn Emanuel Aigner nur mehr zu fragen, wer denn früher, bevor er noch daran dachte, daß in den Straßen von Linz einst seine, in orthographischer und sprachlicher Hinsicht fehlerfreien Firmatafel», wie zum Beispiel: Die gefertigte Genossenschafts-Vorstehung überläßt die Antwort der geehrten Bevölkerung von Liz, welche unzweifelhaft auch den richtigcn Schluß von der „Aufklärung" des siegesbewußten Herrn Emanuel Aigner und diesen Zeilen ziehen wird. Die Genossenschafts-Vorstehung der Maler und Anstreicher von Linz und Urfahr. Geschäftsveränderung. Gefertigter erlaubt stch einem geehrten P. T. Publicum bekannt zu geben, dass sich seine Malerwerkstätte von nun an Bethlehem-straße Nr. 9 befindet. Indem ich für das mir seit 14 Jahren ge-schenkte Bertrauen innigst danke, bitte ich mir dasselbe auch im neuen Locale zukommen zu lassen. Hoch-achtend Emanuel Aigner, Schildermaler und Anstreicher. (Selbstmord.) Gestern mittags hat sich der Malermeister Emanuel Aigner» wohnhaft Bethlehemstraße, in seiner neben der Wohnung befindlichen Küche mittels eines Strickes erhängt. Die um etwa 2 Uhr nachmittags heimkehrende Gattin des Malers fand die Leiche ihres Gatten ganz erstarrt neben der Kuchenthür hängen; der schnell herbeigerufene Stadtarzt Herr Dr. Müller konnte nur mehr den bereits vor zwei Stunden eingetretenen Tod konstatieren und ordnete die sofortige Ueberfuhrung der Leiche in die Todtenkammer des hiesigen Friedhofes an. Aigner, 49 Jahre alt, zur Gemeinde Aigen in Ober-österreich zuständig, hinterlässt eine Witwe und ein unversorgtes Kind. Die Motive der That sind bis jetzt unbekannt.-' |
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| Katharina Katzinger, geb. Eisschiel (1841-1931) | Baum | Artikel einblenden | |
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[Zum Todesfall) der Frau Katharina Katzinger gehen uns aus Molln folgende Zeilen zu: Am 5. Juli starb im Pfarrhof zu Molln Frau Katharina Katzinger, die Mutter des Herrn Dechants Georg Katzinger, eines gebürtigen Rohrbachers. Ihr war es gegönnt, die Jahre des Greisenalters zu erleben. Am 4. April hatte sie ja ihren 91. Geburtstag gefeiert Sic »oar die Aelteste in Molln. Nur acht Tage ist sie krank gewesen. Eine kleine Lähmung hatte sie aufs Krankenlager geworfen, das ihr auch zun Sterbebett wurde. Ein Mutterherz in des Wortes echtestem Sinn hatte zu schlagen aufgehört. Ihr Leben war Wicht und einfach. Ein Leben des Gebetes nud der Arbeit. Arbeiten müßte sie von Jugend auf, denn sebisch Geld und Gut hat sie nie im Ueberpuß besessen. Und als sie dann zu ihrem geistlichen Sohn Hhersiedelte, erst nach Reichraming, seit 1922 dann nach Molln, da gabs als Lohnung sicher die zwei Worte: Gebet und Arbeit. Am 26. Juni hat sie zum letzen Mal gearbeitet, gebetet hat sie bis zur Stunde des Todes. War sie doch bis zur letzten Minute bei vollem Bewußtsein, Ein Freudentag für sie war immer der Freitag, denn da kamen die „Mühlviertler Nachrichten". Und wenn die kamen, da konnte es schon geschehen, daß sie auch eine Arbeit stehen ließ, um nur ja sich ihrem Heimatblatt zu widmen. Das erste war, daß sie Rohrbach suchte und dann las sie alles, was sich dort zutrug. Hatte sie auch Rohrbach lange nicht mehr gesehen, im Geiste weilte sie oftmals dort. Nun ist sie tot, diese Freundin der Heimat. Am 8. Juli wurde sie zu Grabe getragen. Ihr Leichenbegängnis glich einem Triumphzug. Wohl selten gabs so viel Leute bei einer Leiche in Molln wie diesmal. Acht Priester, darunter Kano-nikus Regens Dr. W. Grosam aus Linz, gaben ihr das letzte Geleite. Hätte Mutter Katzinger das alles noch miterleben können, sie hätte in ihrer schlicht einfachen Weift immer wieder gesagt: Das bin ich gar nicht wert. O doch! Du bist es schon wert gewesen, daß die Menschen dich ehrten, denn du hast einen Adelstitel und der heißt: Du warst Mutter. Gutes Mütterlein Katzinger ruhe sanft in Gottes Erhe!' |
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| Georg Katzinger (1877-1937) | Baum | Artikel einblenden | |
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(Maturitätsprüfung.) Die Maturitätsprüfung des Sommertermins 1896 wurde am Staatsgymnasium in Linz vom 11. bis 18. Juli abgehalten. Derselben unterzogen sich 44 Abiturienten (40 öffentliche Schüler und 4 Privatisten), von denen 10 (Friedrich Feichtinger, Wenzel Grojam, Rudolf Härdtl, Roman Iser, Georg Katzinger, Friedrich Oberndorfer, Robert Reiß, Augustin Sterzinger, Josef Troxlmahr und der Privatist Augustin Hermüller) ein Zeugnis der Reife mit Auszeichnung und 25 ein Zeugnis der Reife erhielten; 9 Candidaten wurde die Wiederholung der Prüfung aus einem Gegenstande nach den Ferien bewilligt. Nachrichten aus Oberösterreich. Rohrbach, 25. November. [Primizfeier.] Am 22. November stieg der neugeweihte Priester, Hochwürden Herr Georg Katzinger, die Stufen des Altares hinan, um Gott dem Herrn sein Erstlingsopfer darzubringen. Dreizehn Priester und fünf Alumnen zogen mit dem hochw. Herrn Primizianten vom festlich geschmückten Pfarrhofe über den schön beflaggten Marktplatz in das Gotteshaus, und eine ansehnliche Betheiligung der Bürger- und Bauernschaft als Primizgäste zeigte die große Antheilnahme am Feste und die Freude derselben, dass einer aus ihrer Mitte zur Würde des Priesterthums gelangte. Die geräumige, imposante, prachtvoll restaurierte Rohrbacher Pfarrkirche ist zu einer solchen Festfeier wie geschaffen; dennoch vermochte sie an diesem Tage alle die Gläubigen nicht zu fassen, die gekommen waren, um dieses Priesterfest mitzufeiern. Andächtig lauschten sie der formvollendeten Festpredigt des hochw. Herrn Convictdirectors Stingeder aus Linz, der in begeisternder, sowohl Verstand als auch Herz erfassender Weise das katholische Priesterthum als das kostbarste Gnadengeschenk Gottes an die Menschen pries. Man fühlte es, dass das "Vergelt's Gott" am Schlüsse der Predigt vom Herzen kam. Ein heiteres Festmahl vereinigte die Primizgäste nach der kirchlichen Feier beim Herrn Brauereibesitzer Leopold Jungwirth am Berg. Dabei toastierte der hochwürdige Herr Pfarrer von Rohrbach auf den Herrn Primizianten, dieser auf die Wohlthäter der studierenden Jugend, der hochwürdige Herr Subprior des Stiftes Schlägl auf die guten Eltern des hochw. Primizianten. Um halb 5 Uhr nachmittags beschloss ein heiliger Segen im lieblichen Marienkirchlein am Berg das schöne Priesterfest, das allen Antheilnehmern gewiss unvergesslich bleiben wird. Dem hochw. Herrn Primizianten rufen wir ein herzliches "ad multos annos" zu.
Weyer, 15. November. (Versammlung.) Am Leopolditage hielt der Arbeiterverein von Weyer und Umgebung seine November-Monatsversammlung ab. Eine ziemliche Anzahl von Arbeitern war erschienen mit umso gröherer Freude und Bereitwilligkeit, weil sie ja wusste, dass ein ausgezeichneter Redner erschienen sei. Es war der hochw. geistl. Rathgeber des Arbeitervereines von Reichraming, Herr Georg Katzinger, der in liebevoller Weise zur Frende aller sein Erscheinen zugesagt hat. Herr Katzinger verstand es in herrlicher Weise durch seine 3/4stündige Rede über Bedeutung, Ziel und Zweck der kath. Arbeiterorganisation die Zuhörerschaft zu fesseln. Ein nicht endenwollender Applaus lohnte den Redner für seine interessanten Ausführungen und auf baldiges Wiedersehen war der Wunsch der Versammlung. Nachrichten aus Oberösterreich. Rohrbach, 15. Januar. [Trauung.] Am Dienstag den 12. Jänner fand in der Pfarrkirche zu Rohrbach die Trauung des Herrn Franz Katzinger, Maurerpolier und Hausbesitzerssohn in Perwolfing, mit Maria Schauer, Bauerngutsbesitzerstochter von Getzing, statt. Den Trauungsakt nahm der Bruder des Bräutigams, Hochwürden Herr Georg Katzinger, Expositus in Reichraming, vor. Die Hochzeitsfeier fand in Herrn Reisingers Gasthause hier, statt. - Errichtung einer neuen Pfarre. Die Expositur Reichraming, welche bisher zur Pfarre Losenstein gehörte, wurde zur selbständigen Pfarre erhoben und tritt mit 1. Juli d. J. in Kraft. Zum Provisor wurde der bisherige Expositus dortselbst, Herr Georg Katzinger, ernannt. Reichraming. [Unser erster Pfarrer.] Am 1. d. wurde der bisherige Provisor unserer neuen Pfarre, der hochwürdige Herr Georg Katzinger, auf die Pfarre Reichraming investiert. Der neue Herr Pfarrer ist in Perwolfing, Pfarre Nohrbach, am 16. April 1877 geboren und wurde am 19. November 1899 zum Priester geweiht. Polittsche Rundschau. Oesterreich. [Judenliberale Denunzianten oder zwei verklagte Pfarrer.] Aus Reichraming kommt folgende Neuigkeit: In Reichraming, wo der Lohnkampf der Messingarbeiter fortdauert, fand am 13. Jänner über Verlangen des jüdischen Fabrikanten Sommer eine Sitzung des Gemeindeausschusses statt, zu der auch der dortige Pfarrer Georg Katzinger (ein gebürtiger Rohrbacher) geladen war. In derselben erging sich der Jude zuerst in die bekannten Ausfälle der Unternehmer gegen die Arbeiterorganisationen und ihrer Führer, schob auch auf den Pfarrer Katzinger viele Schuld in dem Streik und meinte, daß die Arbeiter oft nicht so scharf Vorgehen würden, wenn nicht die Pfarrers die Leute im Kampfe begeistern würden. Und dann kam folgende Enthüllung: Herr Fabrikant Sommer teilte zum Erstaunen der ganzen Gemeindevertretung mit, daß der Verband der Industriellen sich mit einer Beschwerde an den hochwürdigsten Herrn Bischof in Linz gewendet, und zwar um Beschwerde (soll wohl richtig heißen, um zu denunzieren) zu führen gegen den Herrn Pfarrer Schartner in Haslach, der sich im vorigen Jahre bei der Aussperrung der Arbeiterschaft nicht an die Seite des 40fachen Millionärs Vonwiller gestellt, sondern sich der Arbeiter an-genommen hat und gegen den Pfarrer Katzinger von Reichraming, der ebenfalls gegen die Ausbeutung der christlichen Arbeiter durch die jüdische Firma Sommer auftrat und sich pflichtgemäß als guter Hirte an die Seite seiner Arbeiter stellte. Wie erbärmlich klein ist doch die Unternehmer-Organisation bereits geworden, da sie schon zu Denunziation und Beschwerde ihre Zuflucht nimmt und sich der Hoffnung hingibt, ein katholischer Bischof werde sich nach dem Kommando der Juden und Protestanten richten und seinen Pfarrern den Knebel anlegen! (Wie von informierter Seite verlautet, entspricht die Behauptung des jüdischen Fabrikanten Sommer, daß die Industriellen sich in der bewußten Angelegenheit an den hochwürdigsten Herrn Bischof gewendet hätten, nicht den Tatsachen. D. Red.) Eine § 19-Berichtigung des Pfarramtes Reichraming. Wir erhalten folgendes Schreiben: An die geehrte Redaktion des Linzer "Tagblatt!" Unter Berufung auf § 19 des Preßgesetzes ersuche ich urn Aufnahme nachstehender Berichtignng des in Nr. 111, Jahrgang 1920, Seite 3, der periodischen Druckschrift "Linzer Tagblatt" veröffentlichten Artikels mit der Ueberschrift: "Reaktion auf dem Lande", und zwar bezüglich des Ortes der Einreihung als auch bezüglich der Schrift (Lettern) ganz in derselben Weise, in welcher der zu berichtigende Artikel zum Abdrucks gebracht war: Es ist unwahr, daß ich und Oberlehrer Pany von Reichraming einfach anordneten, daß am 1. Mat der Schulbetrieb aufrecht bleibt. Wahr ist, daß ich für den 1. Mai solches nicht anordnete, weder allein noch mit Dem Herrn Oberlehrer Panny und daß ich am 1. Mat auch keinen Unterricht gehalten habe. Pfarramt Reichraming, am 28. Mai 1929. Georg Katzinger, Pfarrer. Kürzlich hielt Herr Dechant Georg Katzinger aus Molln seinen Einzug in die Pfarre Sarleinsbach. Fast durch sieben Monate waren die Erwartungen der Bewohner auf die Folter gespannt. Dieses "Interregnum" fand nun seinen Abschluß. In Begleitung des hochw. Herrn Kanonikus Poechl-Peilstein traf der neue Herr Pfarrer in Sarleinsbach ein. Böllerschüsse und Musik brachten zuerst die freudige Stimmung der Bevölkerung zum Ausdruck. Die Gesangriege des katholischen Burschenvereines ließ das schöne "Gott grüße dich" erklingen. Hochw. Herr Provisor Fellner hielt eine kurze Begrüßungsansprache, woraus sich der Zug zur Kirche entwickelte. Der Zug nahm seinen Ausgang von der Wart unter Teilnahme der Behörden und sämtlicher Vereine. Die Installation nahm Kanonikgs Dechant Poeschl vor. Nach der kirchlichen Feier war Auszug und Vorstellung der Behörden und Honoratioren. Die ganze Feier stand unter dem Einfluß der günstigen Witterung, der zufolge auch die Teilnahme der Bevölkerung entsprechend war. Der alte Markt Sarleinsbach bot ein feierliches Gedenken Bild mit seinen Triumphbögen und den zahlreich flatternden Fahnen. Zur Installation waren auch erschienen Herr Prälat Benedikt vom Stifte Schlögl, Herr Dechant Gittmaier von Altenfelden, Herr Nationalrat Gierlinger und Landtagsabgeordneter Kiesl. Die Gesangsriege des katholischen Reichsbundes hat es verstanden, dem neuen Herrn Pfarrer die Schönheit und Gemütlichkeit des Mühlviertels in vierstimmigen Chören recht anschaulich zu machen. Gott verleihe seinen reichsten Segen dem neuen Hirten und durch ihm seiner neuen Herde.
28. August um halb 7 Uhr früh starb in Sarleinsbach Hochwürden Herr Geistlicher Rat, em. Dechant und Pfarrer Georg Katzinger nach längerem, schwerem Leiden. Dechant Katzinger stammte aus Rohrbach, wo er am 16. April 1877 geboren, wurde. Die Priesterweihe empfing er am 19. November 1899. Er wirkte dann als Kooperator in Losenstein und als supplierender ReligionsIehrer in Freistadt. Im Jahre 1909 wurde er Pfarrer in Reichraming, 1921 Pfarrer und Dechant in Molln und 1932 Pfarrer in Sarleinsbach. Mit Dechant Katzinger ist ein ungewöhnlich begabter und origineller Mensch, eine ausgeprägte Persönlichkeit, ein untadeliger Priester und hochverdienter Seelsorger dahin gegangen. 1877 als Sohn eines ehrsamen Mamers in Perwolfing bei Rohrbach geboren, zog er in der Volksschule durch seine Begabung die Aufmerksamkeit seines Katecheten auf sich und kam wie so manches arme Mühlviertler Büblein „in die Studie", ans k. k. Staatsgymnafium nach Linz. Hier schlug er sich zwei Jahre als Koststudent durch, fand dann im Konvikt am „Haiderhof" (jetzt Salesianum) ein glückliches Studentenheim und an Monsg. Stingeder, dem Direktor des Konviktes, einen klugen und gewogenen Mentor. Mit einem glänzenden Reifezeugnis verließ er 1896 das Gymnasium und trat ins Linzer Priesterseminar, wo er 1899 die Priester- weihe erhielt. 1900 wurde er als Kooperator nach Losenstein entsendet und mit der Ausgabe betraut, den Bau der neuen Kirche, des Pfarrhofes und Friedhofes in Reichraming zu vollenden. In unverwüstlicher Arbeitskraft, mit Umsicht und Tatkraft brachte er es zustande, daß 1909 die neue Pfarre Reichraming errichtet werden konnte und wurde ihr erster Pfarrer. Zwölf Jahre lang entfaltete er in dieser armen Arbeiter- und Bergbauerngemeinde eine ganz hervorragende seelsorgliche und soziale Tätigkeit. Mit seinem blühenden katholischen Arbeiterverein setzte er der von Steyr ins Ennstal vordrängenden roten Flut des Marxismus einen starken Damm entgegen, der bis zum großen Zusammenbruch nach dem Weltkrieg standhielt. 1921 wurde Pfarrer Katzinger auf die große und beschwerliche Pfarre Molln berufen, von seinem Bischof zum Geistlichen Rat ernannt und als Dechent des Dechats Molln bestellt. Wieder warteten seiner schwere Aufgaben. Die Pfarrkirche in Mölln war zu vergrößern und gründlich zu erneuern. Das politische und soziale Leben der Pfarrgemeinde Molln war in den Wirren der Nachkriegszeit bedrohlich zermürbt. An Dechant Katzinger hatten die Gutgesinnten den starken und klugen Führer. Elf Jahre lang stand er auf diesem wichtigen und arbeitsreichen Seelsorgsposten, bis seine Gesund-heit und Arbeitskraft zermürbt war. Wiederholte Gichtanfälle nötigten ihn, die Pfarre Molln mit ihrem beschwerlichen Terrain und den weit abgelegenen Filialschulen aufzugeben. Er war ein abgearbeiteter, müder Mann, als er l932 als Pfarrer nach Sarleinsbach ging; aber auch hier hat er noch bis zum Zusammenbruch seines starken Organismus mit vorbildlicher Treue und Opferwilligkeit die ganze Last der Seelsorge auf sich genommen. Die treu-katholische und tief religiöse Pfarrgemeinde Sarleinsbach weiß, was sie an Pfarrer Katzinger verloren hat. Die vielen Gebete während der letzten schweren Krankheit und die Tränen, die an seiner Totenbahre geweint werden, legen Zeugnis davon ab. Pfarrer Katzinger war ein echter Sohn des Mühlviertel. Bedächtig, zähe, ein Verächter alles hohlen Scheins und äußerlicher Aufmachung, ist er in der breiten Öffentlichkeit nie recht hervorgetreten. Nur vertrauten Freunden und Mitbrüdern erschloß er die Schätze seines Wissens und Könnens, sein tiefes Gemüt, sein grundehrliches, treues Herz. Er war ein tüchtiger Redner und Prediger, wenn ihm auch die Stimmittel und das äußere Auftreten zu einem glänzenden Redner mangelten. Er hätte das Zeug zum Politiker und zum Schriftsteller gehabt, war in der schönen Literatur bewandert und besaß ein reiches, geschichtliches Wissen. Aber er haßte das grelle Rampenlicht der Lebensbühne und blieb der einfache „Landpfarrer". Sein Leben ging in schlichter Seelsorgsarbeit auf. Schließlich ist das so recht eigentlich Arbeit für die Ewigkeit. Seine Werke folgen ihm nach. Er ruhe im Frieden! Pfarrer Katzinger hat auch in Sarleinsbach trotz seines damals schon sehr spürbaren und ihn behindernden Leidens die Sorge und Mühe einer Kirchenerneuerung auf sich genommen. Das Sarleinsbacher Gotteshaus war das letzte Mal unter Dechant Berger im Jahre 1904 ausgemalt und damals nicht sehr glücklich erneuert worden. Pfarrer Georg Katzinger ließ den schönen, in seiner Architektur gotischen Kirchenraum vor zwei Jahren vom Maler Daringer nun ausmalen. Was hier zustaudekam, ist eine der schönsten Arbeiten, die es im Lande Oberösterreich gibt. Die Malerei ist nicht allein höchst geschmackvoll und vornehm, sondern paßt sich auch der gotischen Architektur vorzüglich an. So hat Pfarrer Katzinger außer seinem beispielgebenden Wirken als Seelsorger und Freund der Menschen auch äußere Zeichen seiner Persönlichkeit in Sarleinsbach hinterlassen und seinem echten, natürlichen Kunstsinn und seiner vor- nehmen Denkungsart ein Denkmal gesetzt. Nicht unerwähnt soll auch das rege geschichtliche Interesse des Ver-storbenen bleiben, der nicht geringe Verdienste an dem Gelingen der 400-Jahr-Feier der Markterhebung von Sarleinsbach hatte. Er hat übrigens auch dem werdenden Lin-zer Volkskundemuseum einige hübsche Gegenstände gespendet, heuer im Juli noch einen schönen Pfeifenkopf mit ziseliertem Silberdeckel. Vom Tode bereits gezeichnet, übergab er ihn mit launigen Motten. Dazu wird uns noch berichtet: Der Herr über Leben und Tod hat am 28. August unseren lieben Herrn Dechant Georg Katzinger in ein besseres Jenseits abberufen. Am Samstag um halb 7 Uhr früh verkündeten alle Glocken den allzufrühen Tod unseres Hirten. Der ewig Hohepriester hat den todeskranken Herrn Dechant aus seinem schweren Leiden erlöst. Ueberall sah man traurige Gesichter und hörte nur in Ehrfurcht und Liebe vom verstorbenen Herrn Dechant reden. Viele von der Pfarrgemeinde fanden.sich.an der herrlich geschmückten Totenbahre ein, um dem teuren Verstorbenen noch einmal in sein gütiges Antlitz zu schauen und für sein Seelenheil zu beten. Das Begräbnis war für den Dienstag angesagt. Der zahlreich erschienene Klerus nahm vor dem Pfarrhof Aufstellung. Am Trauerzuge beteiligten sich alle Vereine, Behörden, die Musik und eine zahlreiche Bevölkerung. Als um 10 Uhr das Glockengeläuts begann, fetzte sich der Trauerzug in Bewegung. Unter den Trauerklängen der Musik zog man zur Kirche. Der hochw. Herr Dechant Josef Poeschl aus Peilstein hielt das Totenamt, bei dem die hochw. Herren Pfarrer Alois Schmidt aus Lembach und Josef Fischer aus Putzleinsdorf assistierten. Nach dem Libera bewegte sich der traurige Zug zum Grabe. Hochw. Herr Dechant Josef Poeschl hielt dem lieben Verstorbenen einen ehrenden Nachruf und forderte die Anwesenden auf, den teuren Verblichenen im Gebete nicht zu vergessen. Während die Schollen auf den Sarg kollerten, sang der Männerchor unter der Leitung des Herrn Körner ein tiefergreifendes Abschiedslied. Tieferschüttert nahmen wir vom Grabe unseres guten Hirten und Seelenführers Abschied und nahmen den festen Vorsatz mit, des Verstorbenen stets im Gebete zu gedenken! Hochw. Herr Dechant Georg Katzinger ruhe im Frieden! Georg Ratzinger Pfarrer und Dechant in Sarleinsbach in den dreißiger Jahren (Nachfolger von Pfarrer Karl Perr, Vorgänger von Dr. Leopold Böck. Gebürtiger Rohrbacher, Sohn eines Maurers. Er war in seiner Art ein Original, was besonders in seinen Sonntagspredigten zum Ausdruck kam. Dafür 2 Beispiele: 1. Predigt über das Sonntagsevangelium vom Pharisäer und Zöllner (2 Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten …). Dazu Pfarrer Katzinger: „Bei uns könnte man sagen: sie gingen in den Tempel, um zu schlafen (Anm.: Viele Bauern sind während der Predigt, ob sie wollten oder nicht, eingeschlafen). Ich mach das halt immer so: wenn ich vor der Predigt das Evangelium verlese, dann setze ich meine Brille auf, damit ich sehe. Und wenn ich nach der Predigt die Verkündigungen verlese, dann setze ich wieder meine Brille auf, damit ich sehe. Aber während der Predigt nehme ich meine Brille ab, damit ich gar nicht, sehe, wer alles schläft…" Durch die Reihen der Andächtigen ging damals ein hörbares Kichern und Schmunzeln. 2. Predigt über das Verhalten in der Kirche, z.B. über die Unsitte, einfach auf den Boden zu spucken. Dazu erzählte der Herr Dechant eine Anekdote aus seiner vorhergehenden Seelsorgestation Molln, wo er auch Ehrenbürger war: „Da hab ich in Molln einmal einen Bauern, der in der Kirche immer auf den Boden gespuckt hat, deswegen zur Rede gestellt. Da hat er mir zur Antwort gegeben: Wann i nimma spiatz'n (=spucken) kann, via i wüll, dann geh i überhaupt nimma in d 'Kira." Pfarrer Katzinger hat auch die zum Pfarrhof gehörenden Grundstücke noch landwirtschaftlich genutzt, er war gewißermaßen also auch Landwirt. (Erst unter seinem Nachfolger Dr. Böck wurden diese Grundstücke verpachtet). In den dreißiger Jahren gab es einmal einen sehr heißen und trockenen Sommer. Das Getreide auf den Feldern sah entsprechend aus. - Der Herr Dechant ging durch seine Felder, ich begegnete ihm, er wies mit der Hand auf den kümmerlichen Hafer und sagte: „Frei selb 'n diascht oan, wann ma den Hawern anschaut". Dechant Katzinger war schwer gichtleidend. Damals, nach dem früheren Ritus, mußte der Priester bei der Messe viel öfter die Knie beugen als heute. Für Pfarrer Katzinger muß jede einzelne Kniebeuge eine Tortur gewesen sein: jede einzelne Kniebeuge war von einem schmerzlichen und hörbaren Schnaufen begleitet Ansonsten erinnere ich mich noch daran, daß er wohl der unmusikalischste Mensch war, den ich kannte. Damals gab es jeden Sonntag ein lateinisches Amt, dann Requiem, Rorate… Der Herr Dechant sang, wie er es eben konnte; damals müssen aber die letzten Kirchenmäuse das Weite gesucht haben ! Rerq uiescat in pace! |
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| Riener Ferdinand (1897-1992) | Baum | Artikel einblenden | |
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Brot mit Rattengift Um seine Gattin aus dem Weg zu räumen, bestrich der 51jährige Bauer Ferdinand Riener aus Dambergchlag, Gemeinde St. Stefan am Walde, Brotstücke mit Rattengift und bestreute sie außerdem noch mit Eisenseilspänen. Durch ein Versehen von ihm aß aber die Magd Maria Reifenmüller dieses Brot und erbrach schwer. Riener wurde verhaftet. Verfolgungswahn einer Kronzeugin Urfahr. Vor einem Schwurgericht sollte am Montag der Prozeß gegen den des Gattenmordversuches angeklagten 52jährigen Landwirt Ferdinand Riener aus Dambergschlag durchgeführt werden. Riener, ein sichtlich überaus nervöser schmächtiger Mann, lebte mit seiner um zwei Jahre älteren Frau Therese im letzten Jahr in denkbar schlechter Ehe. Aus dieser suchte er sich dadurch zu befreien, daß er beschloß, seine Frau mit Hilfe von mir Rattengift und Eisenfeilspänen präparierten Brotschnitten, die er in eine Kartoffelsuppe gegeben hatte, heimtückisch zu töten. Den Anschlag führte er am 28. Juli 1948 aus, er mißlang aber, weil die Brotschnitten so absonderlich schmeckten und hart waren. Wie aus einem ärztlichen Gutachten zu ersehen war. konnte sie deshalb als Kronzeugin nicht zur Verhandlung erscheinen, well sie an nervöser Erschöpfung und seelischer Verfolgung leidet. Wie ein Bruder der Frau dem Gerichte mitteilte, verbrachte sie die letzte Zeit weinend. Der Prozeß wurde auf den 23. Mai vertagt. Eisenfeilspänne und Rattengift in der Suppe Vier Jahre wegen versuchten Meuchelmordes an der Gattin Vor einem Schöffengericht unter Vorsitz von Präsident Dr. Bauer, hatte sich der 52jahrige Landwirt und Häusler Ferdinand Riener aus Dambergschlag, Gemeinde St. Stefan am Wald, wegen versuchten Meuchelmordes an seiner Gattin Therese zu verantworten. Riener hatte am 28. Juli 1948 seiner Gattin in eine Kartoffelsuppe Eisenfeilspäne und Natronlauge in Pillenform gegeben, die er sorgfältig, in pulverisierter Form, in Brotbrocken eingemengt hatte. Auch die bei ihm bedienstete Magd Maria Reifenmüller hatte die Brocken genossen, zum Glück aber sind beide Frauen sofort mißtrauisch geworden und haben die verhängnisvollen Suppeneinlagen wieder ausgespuckt. Das Bild, das sich in dieser Verhandlung entrollte, war recht traurig. Die Kronzeugin, Theresia Riener, konnte nicht erscheinen, da sie wegen eines Nervenleidens nach Niedernhart eingeliefert wurde, nachdem sie schon seit längerer Zeit an Depressionen litt. Riener machte einen primitiven, geistig schwerfälligen Eindruck. Manchmal tat er sich selbst sehr leid und konnte sich kaum fassen. Nachdem seine erste Frau gestorben war, hatte er 1934 Therese Riener auf Anraten ihres Bruders geheiratet. Frau Therese ist eine gutmütige Frau, wie alle Zeugen aussagten, nur etwas unbeholfen und langsam, für die Wirtschaft zu schwerfällig, fix soll auch an geistigen Störungen gelitten haben. So kam es, daß Riener selbst kochen mußte und es schon deswegen immer Streitigkeiten gab. Außerdem wollte Riener seine Ziehtochter und Nichte, die früher schon bei ihm lebte, zu sich nehmen, während seine Frau und deren Brüder eine andere Hilfskraft vorgesehen hatten, die Magd Maria Reisenmüller, der die Frau, wenn sie brav sei, sogar das Haus versprach. Es ging also wie der, wie in so vielen Streitigkeiten am Land, um die Erbschaft. Noch eine vierte Frau spielte eine nicht sehr erfreuliche Rolle in Rieners Leben. Die sonst gut beleumundete Kriegerswitwe Anna Höllmüller, die tagsüber am Hofe Rieners ausgeholfen hatte und zu der Riener, wie er zögernd zugab, ein intimes Verhältnis hatte. Frau Höllmüller entschlug sich der Aussage. Es war klar, daß bei solchen Umständen das Leben im Hause Rieners eine Qual war. Als Riener die Tat selbst zu schildern begann, zögernd, sich wiederholt widersprechend, dumme Ausflüchte gebrauchend, bekam man einen sehr schlechten Eindruck von ihm. Er habe seine Frau nie töten wollen, nur "ärgern", endlich gab er dann zu, er habe sie "krank" machen wollen. Auch bestritt er immer wieder, "Rattengift" (es erwies sich im Sachverständigengutachten, daß es sich um Natronlauge in Pillenform gehandelt hat, welches im Hause Rieners als Gift gegen Mäuse und Ratten verwendet worden war) in die Brocken getan zu haben. Bei seinen vorhergehenden Einvernahmen aber hatte er genau detailliert, wie er die ganze Sache bewerkstelligt hatte. Schon Tage vor der Tat sammelte er nach dem Sägefeilen die Späne, machte einen Teig aus Wasser, Mehl, Eisenfeilspänen und Rattengift, grub in die Brotbrocken ein Loch, tat die Menge hinein und verknetete die Masse wieder. Der 28. Juli war für ihn günstig, seine Frau und die Magd hüteten die Kühe. Er riss, nachdem er die Brocken mit frischen Brotschnitten vermischt hatte, zur Suppe. Es wurde gebetet, wie er nachträglich feststellte, und der Herr um Segen für das gebeten, was hier "angerichtet" war. Nicht nur die Frau, auch die Magd Reisenmüller war also schwerstens gefährdet und so forderte er diese vorher auf, Kaffee statt Suppe zu essen, wenn sie wolle. Sie aber wollte die Suppe und Riener ließ den Dingen seinen Laus. Auch er aß mit, freilich konnte er die Brocken unterscheiden. Frau Riener war die Suppe zunächst zu heiß. Die Magd erwischte den ersten Brocken. Sie schluckte ihn, verspürte sofort ein heftiges Kratzen, beim zweiten dasselbe, diesmal aber spuckte sie den Brocken ebenso wie den dritten aus, brach ihn auf und hatte vor sich eine weiß-graue Masse, auf die sie hinwies. Riener sagte, das käme vom Brot und es wäre sonderbar und trug die Brocken hinaus. Die Tat war mißglückt. Aber die Frauen waren aufmerksam geworden. Die Magd nahm die Brocken und zeigte sie ihren Eltern. In derselben Nacht wurde ihr dann sehr übel und sie erbrach. Frau Riener ging mit den Brocken zu ihren Brüdern, die sie dem Arzt, Dr. Pichler, zur Untersuchung gaben. Es ist unverständlich, wieso diese wichtigen Beweisstücke nun plötzlich irgendwie verschmissen wurden, nie wieder auftauchten und Riener erst im Dezember 1948 verhaftet und verhört wurde. Riener behauptete nun bei der Hauptverhandlung, er sei bei seinen Vernehmungen zu allen diesen Aussagen durch Drohungen gezwungen worden. Eine interessante Wendung nahm der Prozeß, als Sachverständiger, Medizinalrat Dr. Riegele in seinem Gutachten feststellte, daß die von Riener in seinen ersten Geständnissen zugegebene Menge "Rattengift" nicht töten konnte, Natronlauge vielmehr überhaupt nur ätzen und erst sekundär Todesursache werden kann. Eisenfeilspane seien weder tödlich noch schwer verletzend. Mit diesem Gutachten stellte sich Dr. Riegele in Widerspruch zum Gutachten des Medizinisch-chemischen Institutes in Wien, das besagte, daß auch eine geringe Natronlauge den Tod zur Folge haben könnte. Nach einer Mittagspause stellte zunächst Staatsanwalt Dr. Zöchling in seinem Plädoyer diesen Unterschied fest und fügte hinzu, daß Riener, gleichgültig welche Menge er nahm, unbedingt töten wollte, um ein angenehmeres Leben, vielleicht mit einer anderen Frau, zu haben. Sein Mordinstrument, das Gift, hat er lange und heimtückisch vorbereitet. Es ist ihm nicht mildernd zuzusprechen, daß er dessen Beschaffenheit nicht richtig kannte, für ihn war es das Mittel, um zu töten. Das Gericht und die Schöffen schlossen sich nach eingehender Beratung dieser Meinung an und verurteilten Riener wegen versuchten Meuchelmordes zu vier Jahren Zuchthaus. Versuchter Meuchelmord Ein Schwurgerichtssenat des Landesgerichtes Urfahr unter dem Vorsitz von Vlzepräsidenten Dr. Bauer verurteilte gestern den 52jährigen Landwirt Ferdinand Riener aus Dambergsch1ag im Mühlviertel wegen versuchten Meuchelmordes zu vier Jahren schweren Kerkers. Riener hatte im Juli vorigen Jahres seine Frau Therese töten wol1en, um die aui seinem Hof beschäftigte Magd Maria Reifenmü1ler‚ mit der er seit längerem intime Beziehungen unterhalten hatte, heiraten zu können. Riener mischte seiner Frau Brotschnitten, die er mit Eisenfeilspänen versehen und in Natronlauge getränkt hatte‚ in die Suppe. Da das gerichtsmedizlnische Gutachten feststellte, daß die präparierten Brotschnitten nicht den Tod eines Menschen herbeiführen konnten, erklärte das Gericht, daß Riener zwar in Tötungsabsicht gehandelt, dazu aber untaugliche Mittel verwendet hatte. |
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